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Meine erste Couture-Kampagne in Serbien: Licht und Ruhe

Von Alina Pavlushova · Modelcoach

Alina in einem gerafften weißen PORPHYROZEI-Kleid mit skulpturalen Schultern vor dunklem Hintergrund

Mein erstes Shooting in Serbien

Mein erstes Shooting in Serbien war gleich eine Kampagne für die Couture-Marke PORPHYROZEI. Nach meinem Umzug von Moskau nach Belgrad hatte ich mir genau diesen Einstieg gewünscht: ein großes Projekt, bei dem jeder Millimeter Stoff zählt.

Wir fotografierten drei Looks in fünf Stunden, einschließlich der Vorbereitung. Couture braucht Zeit. Jeder Look verlangt Aufmerksamkeit, von der Anprobe und den letzten Anpassungen bis zur letzten Aufnahme.

Ein neues Land, neue Menschen, eine andere Sprache am Set, und trotzdem ein vollkommen vertrautes Gefühl. Wenn man ein Kleid trägt, in dem Hunderte Stunden Handarbeit stecken, tritt alles Überflüssige in den Hintergrund. Es bleiben Licht, Silhouette und Ruhe im Bild.

Das Anspruchsvollste an einer Kampagne ist für mich zugleich das Interessanteste: das Posing. Man muss die Kleidung, die Stimmung und die Botschaft der Marke vermitteln und mit den Details des Looks arbeiten. Bei diesem Shooting hielt ich einen antiken Krug, der mindestens sieben Kilogramm wog. Dabei sollte es aussehen, als wäre er ganz leicht.

Team: Fotografie — @nigina_vasina · Make-up und Haare — @volkova.mua · Marke — @porphyrozei

Alina auf einem Bein in einem skulpturalen weißen PORPHYROZEI-Kleid mit voluminösem gerafftem Rock

Was eine Kampagne von anderen Shootings unterscheidet

Eine Kampagne steht eine ganze Saison lang für die Kollektion. Die Bilder erscheinen in der Werbung, auf der Website, in sozialen Medien und manchmal auf Plakatwänden. Das bringt für das Model eine andere Verantwortung mit sich.

Art des ShootingsHauptaufgabeSpielraum des Models
TestshootingDie Möglichkeiten des Models und verschiedene Looks zeigenMeist groß, innerhalb des Briefings
DigitalsAussehen und Maße ohne aufwendiges Styling zeigenAuf übliche Ansichten beschränkt
EditorialEine Geschichte, einen Look und eine Stimmung vermittelnAbhängig vom kreativen Konzept
Lookbook / E-CommerceDas Kleidungsstück klar und präzise zeigenMeist gering
KampagneDie Identität der Marke vermitteln und einen Traum verkaufenInnerhalb eines klaren Konzepts

Was ein Model wissen sollte:

  • Das Konzept steht vorher fest. Moodboard, Referenzen und die Planung der Bilder sind vor dem Shooting mit der Marke abgestimmt. Deine Aufgabe ist es, den Look zu verkörpern, nicht ihn neu zu erfinden.
  • Am Set sind viele Menschen. Neben dem Fotografen arbeiten dort Art Director, Markenvertreter und manchmal der Designer selbst. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Du solltest bereit sein, eine Aufnahme viele Male zu wiederholen.
  • Jedes Bild kann ausgewählt werden. Hände, Blick und die Linie des Halses müssen auch dann stimmen, wenn du glaubst, gerade nur etwas auszuprobieren.
  • Ausdauer gehört dazu. Lange Tage, neue Outfits, Make-up und Haare. Die Energie bis zur letzten Aufnahme zu halten, ist Teil des Berufs.

Mit Couture-Marken arbeiten

Couture bedeutet Handarbeit, Einzelstücke und Monate im Atelier. Für solche Kleidungsstücke gelten am Set besondere Regeln.

  • Gehe sorgsam mit der Kleidung um. Ein Kleid gibt es oft nur ein einziges Mal. Setze dich erst nach Rücksprache, lehne dich nicht an und iss oder trinke nicht im Outfit. Bewege dich vorsichtig, besonders bei Stickereien, Federn und Korsetts.
  • Das Team hilft beim Anziehen. Garderobenteam und Designassistenten schließen das Kleid, stecken den Stoff ab und legen die Schleppe zurecht. Sei darauf vorbereitet, stillzustehen und dem Team zu vertrauen.
  • Die Passform muss vielleicht angepasst werden. Ein Couture-Stück kann für eine bestimmte Figur gefertigt worden sein. Passt es dir nicht, wird es hinten abgesteckt. Das schränkt Winkel und Bewegung ein.
  • Berücksichtige Gewicht und Volumen. Korsetts, mehrlagige Röcke, Konstruktionen, Schleppen und sogar Requisiten können mehrere Kilogramm wiegen. Achte auf die körperliche Belastung und darauf, im Korsett frei atmen zu können.
  • Höre dem Designer zu. Er weiß, wie das Stück im Bild wirken und sich bewegen soll. Eine einzige Drehung des Oberkörpers kann einen Schnitt sichtbar machen, an dem wochenlang gearbeitet wurde.
  • Bleib zurückhaltend. Bei einem solchen Shooting spricht die Couture für sich. Zu viel Mimik, Unruhe und komplizierte Posen lenken vom Kleidungsstück ab.
Alina hält einen antiken Krug neben ihr Gesicht und trägt ein asymmetrisches hellgoldenes PORPHYROZEI-Kleid

Posing für Couture

Meine wichtigste Regel: Das Kleidungsstück spielt die Hauptrolle, das Model gibt ihm Struktur. Jede Bewegung soll Silhouette, Textur und Schnitt sichtbar machen.

  1. Arbeite für die Silhouette. Finde eine Pose, in der Taille, Rockvolumen und Schulterlinie erkennbar bleiben. Versteckt die Pose den Schnitt, hilft auch ein schönes Gesicht nicht.
  2. Verlängere die Linien. Ein langer Hals, gesenkte Schultern, lange Arme und eine Beinlinie, die sich durch den Saum fortsetzt. Couture wirkt mit vertikalen Linien und klaren Formen.
  3. Bewege dich langsam. Sanfte, fast unmerkliche Bewegungen lassen den Stoff wirken. Eine leichte Drehung oder ein Schritt entfaltet Rock oder Schleppe; abrupte Bewegungen können das Bild unruhig machen.
  4. Betone Details mit den Händen. Verdecke keine Stickerei. Halte die Hände weich, fast wie im Ballett, und berühre den Stoff leicht, als würdest du ihn zeigen statt festhalten. Auch ein schweres Requisit soll in deiner Hand leicht aussehen.
  5. Stillhalten braucht aktive Unterstützung. Couture verlangt oft skulpturale, nahezu unbewegliche Posen. Ein aktiver Rumpf, die Rückenmuskulatur und ruhiges Atmen helfen dabei.
  6. Halte den Ausdruck ruhig. Ein konzentrierter, ruhiger Blick und wenig Mimik. Gefühl wird über Augen und Haltung sichtbar, nicht über ein Lächeln.
  7. Beziehe Gewicht und Volumen ein. Bei einem schweren Kleid beginnt die Pose mit einem stabilen Stand und dem Oberkörper als senkrechter Achse. Voluminöse Röcke wirken oft gut in Dreiviertelansicht oder im Profil.
  8. Stimme dich mit dem Fotografen ab. Schau in den Pausen auf den Monitor. Dort siehst du, wo der Stoff schön fällt, wo eine Falte entsteht oder ein Detail verloren geht.

Häufige Fehler sind übertriebene Mimik, vor dem Kleid verschränkte Arme, eine eingesunkene Haltung im Korsett und gewohnte E-Commerce-Posen, die Couture flach wirken lassen.

Wenn Haltung, Hände und Gewichtsverlagerung noch schwierig sind, beginne mit meinem Leitfaden zu den Posing-Grundlagen. Diese Basis hilft auch bei einem Couture-Shooting.

Alina in einem metallisch goldenen PORPHYROZEI-Kleid mit Strukturmuster und großem skulpturalem Element

Ein neues Kapitel

Diese Kampagne war für mich der Beginn eines neuen Kapitels in Serbien. Meine Erfahrung mit Gucci und Vogue Italia hat mich gelehrt, dass bei Luxusmode Präzision mehr zählt als ein lauter Auftritt.

Wenn du Posing für Couture und Kampagnen lernen möchtest, schick eine Anfrage. Ich erkläre dir, wie das Training abläuft. Mehr Einblicke hinter die Kulissen findest du auf meinem Instagram @iambeba.